Die Welt unter der Oberfläche: Das Unterirdische und seine künstlerischen Formen in der Kunst des 19. Jahrhunderts
Vorstellungen von Welten, die unter der Erdoberfläche verborgen liegen, haben seit jeher die menschliche Fantasie angeregt. Sie waren nicht nur mit religiösen und mythologischen Bedeutungen verbunden, sondern auch mit dem menschlichen Drang, diesen normalerweise unzugänglichen Raum zu erforschen, zu verstehen und zu erobern. Das Unterirdische wurde zu einem Zufluchtsort, in dem Menschen verlorene Sicherheit suchten oder sich „geheimen“ Tätigkeiten hingaben, die nicht sichtbar sein sollten.
Die Ausstellung präsentiert Motive des Unterirdischen und der Unterwelt in der visuellen Kultur des 19. Jahrhunderts in mehreren thematischen Einheiten. Sie konzentriert sich auf das Phänomen der Höhlen – sowohl künstliche als auch natürliche –, die an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert Teil von Landschaftsparks und Kulturlandschaften waren. Höhlen wurden zudem zu einem faszinierenden landschaftlichen Motiv der Kunst und spiegelten zugleich wissenschaftliche Interessen wider, die mit den Anfängen der prähistorischen Archäologie, der Speläologie und des Tourismus verbunden waren.
Romantische Strömungen weckten auch ein bisher unbekanntes Interesse an Legenden über künstlich angelegte unterirdische Gänge, die angeblich verschiedene Orte miteinander verbanden. Das Motiv des „geheimen Ganges“ fand sogar Eingang in bedeutende literarische Werke sowie in populäre und „triviale“ Literatur und gelangte in Form von Illustrationen auch in die bildende Kunst. Die Romantik des 19. Jahrhunderts belebte zudem weitere mythologische Themen, die mit dem Unterirdischen verbunden waren (wie die Blaník-Ritter, Schätze und Zwerge), die ebenfalls Gegenstand künstlerischer Darstellungen wurden.
Parallel dazu entstand im 19. Jahrhundert durch Urbanisierung und industrielle Entwicklung ein völlig materielles Gegenstück zu diesen imaginären unterirdischen Welten, das eine bedeutende Rolle in der damaligen Gesellschaft spielte. Es umfasste verschiedenste technische Bauwerke und die Arbeitsumgebungen ihrer Erbauer (Verkehrstunnel, Kanalisationen, Brauereikeller, Bergwerke). Unterschiedliche Pläne, Schnitte und Zeichnungen dieser Räume werden ebenfalls Teil der geplanten Ausstellung sein.
Die Ausstellung nutzt das visuelle Potenzial, das die Darstellung realer unterirdischer Räume ebenso wie die fantasievollen Vorstellungen von unterirdischen Welten bot. In Grafiken, Zeichnungen, Gemälden und Fotografien des „langen 19. Jahrhunderts“ wurden hierfür häufig Licht- und Schattenkontraste sowie andere Mittel eingesetzt, die bis heute die geheimnisvolle Welt des natürlichen, künstlichen und mythischen Unterirdischen suggerieren.