Für den Ruhm der Kunst und eigene Ehre. Kunstsammler und Kunstsammlungen 1600–1960

25/10/2019 bis 23/02/2020
Ausstellungssaal Masné krámy
Autor: 
Vít Vlnas, Marcela Rusinko
Kurátor: 
Eva Bendová

Die Namen der adeligen Sammler der Barockzeit werden erinnert, die oft einen Bezug auf Westböhmen haben (Czernin, Lažanský, von Sternberg, Lobkowitz), weiter werden die Kunstliebhaber aus bürgerlichen Kreisen des 19. Jahrhunderts sowie berühmte Sammler der vor allem modernen Kunst erwähnt, zu denen z. B. Vincenc Kramář, Emanuel Hloupý, František Čeřovský oder Václav Butta gehörten.

Die sich allmählich verwandelnde Rolle der öffentlichen Kunstmuseen in der heutigen globalisierten virtuellen Welt ruft die Frage nach ihrer Bedeutung hervor. Indirekt stellt sie eine Herausforderung dar, zu den eigentlichen Quellen zurückzukehren: zu den seit Generationen entstehenden Fonds der originellen und einzigartigen Kunstwerke. Woher stammen sie, wie sieht ihre Struktur aus? Was teilen uns die Fragmente der früher meistens privaten Sammlungen oder des Lebensnachlasses der Autoren über die Zeit mit, in der sie entstanden? Mit welchen Spuren sind sie im weiteren historischen Gedächtnis verbunden? Sind wir im Stande, diese auch für die Zukunft zu bewahren? Die dynamischen und oft nicht freiwilligen Eigentumsübertragungen auch in dem künstlerischen Bereich während des letzten Jahrhunderts in unseren Ländern, der langjährige systematische gesellschaftlich-politische Druck, der nach dem „Löschen“ der Bezüge auf ursprüngliche Besitzer strebt, aber auch die Interessen des heutigen Geschäfts mit Kunst stellen diese Fragen oft in den Hintergrund. Obwohl der qualitative Kern der meisten Sammlungen bis heute (auch nach der Welle der Restitutionen) von Fragmenten der ursprünglich privaten Kunstsammlungen gebildet wird, bleibt die reiche und oft sehr dramatische Provenienz-Geschichte von vielen bekannten und oft publizierten und ausgestellten Werken paradox ganz unbekannt, häufig sogar auch vor den Verwaltern verhüllt und versteckt. Und trotzdem: habent sua fata.... picturae.
Der Raum der Pilsener Fleischbänke, der die Verbindung der Elemente des sakralen und pragmatisch säkularen Ortes verbindet, deutet eine symbolische Parallele des vielschichtigen Phänomens des privaten Sammelns an. Dieses schwebte nämlich immer irgendwie seltsam zwischen der altruistisch-geistigen Bestrebung nach höheren Sphären und der sozusagen etwas „schnöden“, spekulativen Selbstpräsentation. Im Rahmen der Ausstellung werden berühmte sowie weniger bekannte historische Kunstsammlungen, die auf unserem Gebiet entstanden, ihre Besitzer, Richtung und Schicksal vorgestellt. Wieder werden die Namen der adeligen Sammler der Barockzeit erinnert, die oft einen Bezug auf Westböhmen haben (Czernin, Lažanský, von Sternberg, Lobkowitz), weiter werden die Kunstliebhaber aus bürgerlichen Kreisen des 19. Jahrhunderts sowie berühmte Sammler der vor allem modernen Kunst erwähnt, zu denen z. B. Vincenc Kramář, Emanuel Hloupý, František Čeřovský oder Václav Butta gehörten. Im synergischen Dialog der alten und modernen Kunst zeigt diese Vorschau den höchst aktuellen Bedarf, nach Provenienz-Schicksalen der konkreten Kunstwerken sowie der ganzen Sammlungen zu suchen und diese dann zu beschreiben, und zwar vor allem im Rahmen der von den öffentlichen Sammlungsinstitutionen langfristig verwalteten Fonds.
Das Ausstellungsprojekt sowie der wissenschaftliche Katalog wollen das erforderliche Interesse der tschechischen öffentlichen Kunstmuseen an der historischen Forschung der Herkunft und der Schicksale der Wertgegenstände in deren eigenen Sammlungen erwecken und die Diskussion unter den Institutionen in diesem Bereich zu initiieren.