DAS JAHR 1968 UND DIE KUNST IN DER TSCHECHOSLOWAKEI

20/06/2018 bis 16/09/2018
Ausstellungssaal Masné krámy
Autor: 
Helena Musilová
Kurátor: 
Marcela Štýbrová

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Jahre 1966 bis 1973, in denen gut zu sehen ist,  wie sich die einheimische Kunst emanzipierte und wie sie anfing, sich an der internationalen Struktur der künstlerischen Szene selbstbewusst zu beteiligen. Sie reagiert auf alle wichtigen Themen und Einstellungen oder nimmt diese sogar vorweg: neue Geometrie, neue Figuration, Konzeptkunst, Aktionskunst. Ähnlich beobachtet man eine Lockerung in der gesamten Gesellschaft der Zeit, zeitgenössische Medien belegen ein ganz anderes Klima als das, das zu Beginn der 1960er Jahre herrschte und die ganze Gesellschaft plagte. Diese Tendenz wurde besonders danach intensiviert, als Alexandr Dubček zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei wurde – dadurch wurde der Weg zum Prozess geöffnet, der als Prager Frühling bekannt ist.

Der 21. August 1968. Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass Truppen fremder, auch wenn befreundeter Armeen zwanzig Jahre nach dem Krieg, in der Zeit des Friedens und „normalen“ Lebens ohne Warnung, ohne jede rechtliche Bestätigung oder Befugnis das Gebiet eines souveränen Staates betreten könnten. Der Verlauf der Invasion ist aus den zeitgenössischen Fotografien oder Amateurfilmen bekannt.

In der direkten Reaktion auf die Okkupation entstanden viele Werke der bildenden Kunst, aber während der zweiten Hälfte des Jahres 1968 und im Jahr 1969 tauchten weitere auf, die auf die Absurdität der Okkupation und auf den Schock und die Enttäuschung auch in der abstrahierten oder symbolistischen Form reagierten. Deshalb wird eine vielfältige Gruppe der Werke vorgestellt, die das Jahr der Entstehung und ein gewisses Gefühl der gestoppten Zeit, des eingefrorenen Moments gemeinsam haben. Die Form ist höchst aktuell, sie beinhalten die Essenz der 1960er Jahre, aber der Inhalt wurde von Minute zu Minute anders. Die Hände von Eva Kmentová oder Jozef Jankovič, Das verlassene Fußgestell oder Stille Landschaft von Jiří Kolář, das Porträt Franz Kafkas von Václav Hejna sind eine höchst persönliche und intensive Reflexion des unbegreiflichen und mit dem gesunden Verstand nicht akzeptierbaren Ereignisses.

Die Ausstellung wird mit einigen Werken abgeschlossen, die zu Beginn der Normalisierung entstanden – in einer Gruppe sind Trauer und Desillusion anwesend, andere Werke stellen einen Ausgangspunkt zur Kunst der 1970er Jahre dar – da werden sowohl die Welle der Emigration als auch Konzepte und Performances angedeutet, die sich weit vom offiziellen Leben abspielen – zeitgenössische Filme, Musik, Treffen mit Zeitzeugen usw.

Folgende Autoren sind vertreten: Jiří Kolář, Jitka und Květa Válovy, Rudolf Volráb, Václav Boštík, Věra Janoušková, Jiří Načeradský, Eduard Ovčáček, Jan Zrzavý, František Janoušek, Alena Koenigsmarková, Stanislav Bukovský, Stanislav Kolíbal, Eva Kmentová, Ivan Steiger, Vladimír Jiránek und andere; Dokumentarfilme und Fotografien.