DAS JAHR 1918 UND DIE KUNST IN PILSEN. DIE TSCHECHOSLOWAKISCHE SELBSTÄNDIGKEIT IN DER GESCHICHTE DES PILSENER KÜNSTLERLEBENS 1914-1928.

07/09/2018 bis 04/11/2018
Ausstellungssaal „13“
Autor: 
Petr Jindra
Kurátor: 
Petra Kočová

Die Ausstellung versucht, die Auswirkung der großen historischen Ereignisse in der Zeitspanne der Jahre 1914–1928 auf das kulturelle und künstlerische Leben in Pilsen darzustellen, wobei die Achse dieser Sonde durch die Entstehung der selbständigen Tschechoslowakei am 28. Oktober 1918 gebildet wird. Dieses Ereignis war ein bedeutender Anlass zum regionalen künstlerischen Leben. Das demokratische Ethos der selbständigen Republik wirkte als Herausforderung zur Emanzipation der regionalen Kultur, die vom zentralistischen, hierarchisierten Kulturmodell der Monarchie  nicht berücksichtigt wurde.

Das kam in kulturellen Initiativen unmittelbar nach dem Jahr 1918 in der bildenden Kunst zum Ausdruck, u. a. auch durch die Entstehung der regionalen künstlerischen Bewegungen und durch ihre Ausstellungs- und Aufklärungsaktivität im Bereich der Kultur, die bei progressiven Vereinen und Persönlichkeiten durch die Bemühungen angereizt wurde, das künstlerische Leben in der Region in den Kontext der gesamten Republik zu bringen. In Pilsen stieß dieser offene Gedankenstrom auf den lokalen Konservatismus: Pilsen der Vorkriegszeit und der Jahre unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg kann im Bereich der bildenden Kunst als eine provinziale und ideell rückschrittliche Stadt wahrgenommen werden. In den Jahren 1919–1926 kann zugleich eine interessante Entwicklung bei der Suche nach der regionalen künstlerischen Identität im Raum des selbständigen Staats beobachtet werden: von der Entstehung der progressiven Künstlergruppe, die von  Jan Konůpek initiiert wurde, bis zur erfolgreichen Teilnahme der Gemeinschaft der westböhmischen bildenden Künstler in Pilsen an dem gesamtstaatlich organisierten Projekt  Tschechoslowakische Kunst auf der Ausstellung der zeitgenössischen Kultur in Brünn im Jahr 1928. Mit diesem Erfolg – zehn Jahre nach der Entstehung der Republik – wird symbolisch die zeitliche Abgrenzung der Ausstellung abgeschlossen. Im Epilog wird dann mit Dokumenten, Fotografien und illustrativen Werken der bildenden Kunst an die Liquidierung  des demokratischen Vereinslebens in den Jahren 1948¬–1952 erinnert.

Die Ausstellung bringt die Situation des regionalen künstlerischen Lebens in Zusammenhängen der Entstehung des selbständigen Tschechoslowakischen Staates anhand der Werke der bildenden Kunst, der Pilsener Kulturzeitschriften, Dokumente und Fotografien aus dem Bereich der nationalen Kultur und der Entstehung der Republik näher. Am Beispiel der Geschichte der lokalen künstlerischen Vereine, ihres künstlerischen und gedanklichen Programmes, ihrer Aktivitäten und Entwicklung in den Jahren 1919–1928 wird die Bedeutung ihrer öffentlichen Wirkung im Leben und in der Kultur der Gesellschaft gezeigt, die eng mit der Entstehung der modernen demokratischen Tschechoslowakei verbunden ist.

Folgende Autoren sind vertreten: Antonín Doležal, F. V. Eisenreich, Emil Filla, Josef Hodek, Jan Konůpek, J. D. Krajíček, Bohumil Krs, Adolf Liebscher, Josef Mánes, Josef Mandl, Alois Moravec, Jaroslav Krátký, František Muzika, Václav Patzak, František Pořický, Josef Skupa, Václav Špála, František Šutty, Otokar Walter.